
Fallschirmaufklärer der Schweizer Miliz: Selektion, Ausbildung und Anforderungen
14. September 2026 · 11 Min. Lesezeit
Von Samuel Come
Wenn in Foren über Schweizer Spezialkräfte geschrieben wird, geht es fast immer um das AAD 10. Die Fallschirmaufklärer bleiben dabei ein Randthema — obwohl sie für viele der realistischere Weg sind: Man bleibt im Zivilberuf, dient einige Wochen pro Jahr und gehört trotzdem zu einer Formation, die abgesetzt und autonom im Gelände arbeitet. Genau diese Kombination macht die Vorbereitung aber auch schwieriger, als die meisten Bewerber denken.
In meiner Zeit als EGB-Fallschirmjäger habe ich gelernt, dass der Sprung selten das Problem ist. Der Sprung dauert Minuten. Das Problem beginnt danach: schwerer Rucksack, nasses Gelände, Beobachtungsposten über Stunden, kaum Schlaf, und trotzdem saubere Meldungen absetzen. Wer bei den Fallschirmaufklärern nur auf den Sprungteil trainiert, trainiert am eigentlichen Auftrag vorbei.
Einordnung: Wo die Kompanie 17 steht
Die Schweizer Spezialkräfte sind im Kommando Spezialkräfte (KSK) gebündelt. Dort stehen die beiden Profiformationen — Armee-Aufklärungsdetachement 10 und Militärpolizei Spezialdetachement — neben den Milizformationen: den Grenadieren und den Fallschirmaufklärern. Ausgebildet wird am Ausbildungszentrum Spezialkräfte.
Der Auftrag der Kompanie 17 ist Nachrichtenbeschaffung: kleine Teams, tief im Interessengebiet der Armeeführung, Einbringung häufig über den Luftweg. Wer den direkten Vergleich der Schweizer Wege sucht, findet ihn im Beitrag AAD 10 vs. MP Spez Det sowie im Überblick zum MP Spez Det.
| Formation | Status | Schwerpunkt |
|---|---|---|
| AAD 10 | Berufsformation | Spezialoperationen, Krisenreaktion |
| MP Spez Det | Berufsformation | Polizeiliche Spezialaufträge, Schutz |
| Fallschirmaufklärer Kp 17 | Miliz | Nachrichtenbeschaffung, abgesetzte Kleinteams |
| Grenadiere | Miliz | Infanteristischer Spezialkräfteeinsatz |
Tab. 1: Grobe Einordnung der Formationen im Kommando Spezialkräfte. Details und Zuordnungen können sich mit Reformen ändern.

Der Weg: Screening, Fallschirmkurse, RS
1. SPHAIR-Screening (ein Tag)
Das Screening findet am Fliegerärztlichen Institut (FAI) in Dübendorf statt und dauert einen Tag: Sporttest, Theorieprüfung, medizinische Abklärung. Vorab gilt es, die Grundvoraussetzungen zu erfüllen — unter anderem eine ausreichende Sehleistung, für die SPHAIR sogar einen Online-Sehtest zum Selbstcheck bereitstellt. Bestehst du, kannst du dich für die weiterführenden Kurse einschreiben.
2. Zwei Fallschirmkurse (je zwei Wochen)
Danach folgen zwei je zweiwöchige Fallschirmkurse. Hier wird Sprungtechnik systematisch aufgebaut — vom Verhalten in der Maschine über Absprung und Steuerung bis zur Landung mit Ausrüstung. Wer schon hier körperlich am Limit ist, hat keine Reserve mehr für die eigentliche Ausbildung.
3. Fallschirmaufklärer-RS
Die Rekrutenschule ist der Ausbildungsblock, in dem aus einem Springer ein Aufklärer wird: Beobachtung, Meldewesen, Verhalten im Gelände, Verbindungsmittel, Verhalten bei Feindkontakt, Marsch mit Last. Wer den generellen Ablauf einer Schweizer RS verstehen will, findet die Grundlagen im Beitrag Rekrutenschule Schweiz: Ablauf, Fitnesstest und Vorbereitung.
Voraussetzungen
- Schweizer Staatsbürgerschaft und Militärdiensttauglichkeit
- Abgeschlossene berufliche Grundbildung oder Schule der Sekundarstufe II
- Einwandfreier Strafregisterauszug
- Geforderte Sehleistung (Selbstcheck über den SPHAIR-Sehtest)
- Schwimmfähigkeit, Schwindelfreiheit, gesunde Gelenke
- Fitness deutlich über Rekrutendurchschnitt — in der Breite, nicht in einer Disziplin
Die Formulierungen der Zulassung stehen in der Verordnung zu den Milizfallschirmaufklärern; die konkreten Termine und Testwerte kommen von SPHAIR. Verlasse dich bei Zahlen immer auf die offiziellen Quellen am Ende dieses Beitrags — nicht auf Forenposts.
Woran Bewerber real scheitern
Als Coach für Einsatzkräfte begleite ich Athleten in DACH auf Auswahlverfahren von GSG 9 über SEK bis zu militärischen Spezialkräften. Bei den Schweizer Wegen wiederholen sich drei Muster:
- Zu viel Maximalkraft, zu wenig aerobe Basis. Ein Athlet, der sich auf die Schweizer Selektion vorbereitet hat, kam mit starkem Kreuzheben und schwacher Zone-2-Ausdauer — und ist im Gelände nach dem zweiten Tag in den roten Bereich gelaufen, weil jeder Marsch für ihn ein Intervall war.
- Wasser wird ignoriert. Schwimmen mit Bekleidung ist für die meisten der unangenehmste Teil, weil Technik fehlt und Panik dazukommt. Das lässt sich in acht Wochen lösen — aber nur, wenn man anfängt.
- Kopf im Schlafdefizit wird nie geübt. Beobachten, melden, entscheiden nach 20 Stunden ohne Schlaf ist eine trainierbare Fähigkeit. Mehr dazu im Beitrag zum Schlafentzug im Auswahlverfahren.

Vorbereitung: vier Säulen, 16–24 Wochen
Säule 1 — Aerobe Basis
Drei Läufe pro Woche: zwei ruhige Einheiten von 45–75 Minuten in Zone 2, eine Intervalleinheit (z. B. 5 × 4 Min hart / 3 Min locker). Die Basis ist das, was am längsten braucht — deshalb zuerst und durchgehend. Wenn dein Cooper-Wert noch nicht stimmt, arbeite parallel mit dem Cooper-Test-Guide.
Säule 2 — Kraft am eigenen Körpergewicht
Zwei Ganzkörpereinheiten pro Woche mit Fokus auf Zug (Klimmzug), Druck (Dip, Liegestütz), Beine (Kniebeuge, Ausfallschritt) und Rumpf. Kein Bodybuilding — jedes zusätzliche Kilo Muskelmasse ohne Funktion trägst du im Gelände mit. Wenn Klimmzüge deine Schwachstelle sind, hilft der Klimmzug-Plan über 12 Wochen.
Säule 3 — Last und Gelände
Einmal pro Woche Marsch: Start bei 8–10 km mit 12 kg, Aufbau Richtung 20–25 km mit 20 kg über mehrere Monate. In Bergschuh, im Gelände, bei jedem Wetter. Steigerung entweder in Distanz oder in Gewicht — nie beides gleichzeitig.
Säule 4 — Wasser und Kopf
Einmal pro Woche Schwimmen, davon jede zweite Einheit mit Bekleidung. Dazu ein monatlicher Belastungstag mit Vorermüdung: Marsch, danach eine kognitive Aufgabe — Kartenarbeit, Meldung formulieren, Merkaufgaben. Genau das ist die Schnittstelle, an der Selektionen entscheiden; die Logik dahinter steht im Beitrag Der kognitive Teil im Auswahlverfahren. Wie sich die Anforderungen zwischen DACH und Benelux unterscheiden, zeigt der Vergleich taktischer Fitness.
Fallschirmaufklärer oder Grenadier?
Beide sind Milizwege in den Schweizer Spezialkräften. Der Unterschied liegt im Auftrag: Grenadiere arbeiten infanteristisch im Verband, Fallschirmaufklärer in Kleinstteams mit Beobachtungs- und Meldeauftrag, eingebracht über den Luftweg. Wer die körperliche Härte sucht, ist beim Grenadier gut aufgehoben — die Anforderungen dort stehen im Beitrag zur Grenadier-Eignungsprüfung. Wer eigenständig, geduldig und über Tage unauffällig arbeiten will, passt besser zur Kompanie 17. Und wer den kompletten Schweizer Überblick will, findet ihn im Selektionsguide Schweiz.
Häufige Fragen (FAQ)
Was ist die Fallschirmaufklärer Kompanie 17?
Eine Spezialeinheit der Schweizer Armee im Kommando Spezialkräfte (KSK). Im Auftrag der Armeeführung beschafft sie mit kleinen, autonomen Teams Nachrichten im Interessengebiet — abgesetzt, oft über den Luftweg eingebracht und über Tage eigenständig im Gelände. Anders als AAD 10 und MP Spez Det ist die Kompanie 17 eine Milizformation: Die Angehörigen haben einen Zivilberuf und leisten einige Wochen pro Jahr Dienst.
Wie läuft der Weg zum Milizfallschirmaufklärer ab?
Über SPHAIR. Zuerst ein eintägiges Screening am Fliegerärztlichen Institut (FAI) in Dübendorf mit Sporttest, Theorieprüfung und medizinischer Abklärung. Wer besteht, kann sich für den Vorbereitungskurs beziehungsweise die Fallschirmkurse einschreiben — zwei Kurse à zwei Wochen — und danach in die Fallschirmaufklärer-RS einrücken.
Welche Voraussetzungen muss ich mitbringen?
Schweizer Staatsbürgerschaft, Militärdiensttauglichkeit, ein einwandfreier Strafregisterauszug, eine abgeschlossene berufliche Grundbildung oder eine Schule der Sekundarstufe II sowie die geforderte Sehleistung. Dazu Schwimmfähigkeit, Schwindelfreiheit und ein Fitnessniveau deutlich über dem Rekrutendurchschnitt. Die rechtlichen Zulassungskriterien für Milizfallschirmaufklärer sind in der Verordnung geregelt.
Wie hart ist der Sporttest im Screening?
Er filtert nicht über eine Spitzenleistung in einer Disziplin, sondern über Breite: Ausdauer, Rumpfkraft, Zugkraft am eigenen Körpergewicht, Sprungkraft und Schwimmen. Wer in einem Bereich einbricht, fällt durch — auch bei sonst starken Werten. Genau das ist bei Selektionen der Standardfall, nicht die Ausnahme.
Ist das mit einem Zivilberuf vereinbar?
Ja, das ist das Modell: Kein Beruf, sondern Berufung. Die Kurse und Wiederholungskurse verteilen sich über das Jahr und müssen mit Arbeitgeber und Privatleben abgestimmt werden. Realistisch braucht es einen Arbeitgeber, der mitspielt, und eine Trainingsroutine, die auch in Arbeitswochen läuft.
Wie lange sollte ich mich vorbereiten?
Plane 16 bis 24 Wochen ein, wenn du aktuell keine solide Laufbasis hast. Der Aufbau der aeroben Basis dauert am längsten und lässt sich nicht komprimieren. Kraft am eigenen Körpergewicht und Schwimmtechnik verbessern sich schneller, brauchen aber regelmäßige Frequenz statt seltener Härtetests.
Quellen & weiterführende Links
- SPHAIR — Fallschirmaufklärer/-in werden (Milizfunktion)
- SPHAIR — Screening (FAI Dübendorf, Sporttest & Theorie)
- SPHAIR — Fallschirmkurse (2 × 2 Wochen)
- SPHAIR — Vorbereitungsunterlagen und Online-Sehtest
- Schweizer Armee — Vordienstliche Ausbildung und Eignungsprüfungen
- Fedlex — Zulassung Milizfallschirmaufklärer (Verordnung)
Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Aufarbeitung und kein offizielles Dokument der Schweizer Armee. Verbindlich sind ausschließlich die Angaben von SPHAIR, der Armee und der zuständigen Rekrutierungsstellen.
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