Was ist das SEK?
Ein Spezialeinsatzkommando ist die Spezialeinheit der Landespolizei. Jedes deutsche Bundesland verfügt über mindestens ein SEK; hervorgegangen sind die Einheiten aus den früheren Präzisionsschützenkommandos. Grob vergleichbar sind sie mit den SWAT-Teams der US-Polizei.
Wichtig für die Schreibweise: Es heißt Spezialeinsatzkommando, nicht Sondereinsatzkommando — dieser Begriff ist historisch durch die SS belastet. SEK-Beamte sind für Terrorismusbekämpfung, Geiselbefreiung und Zugriffe ausgebildet und kommen sowohl präventiv (etwa beim Schutz von Staatsbesuchen) als auch operativ auf Anforderung der regulären Polizei zum Einsatz.
Auftrag und Aufgaben
Die spektakulären Lagen wie Geiselnahmen machen nur einen kleinen Teil des Alltags aus. Der Großteil sind Einsätze, die kaum in der Presse auftauchen. Gerufen wird das SEK, wenn bewaffnete oder als hochgefährlich eingestufte Täter im Spiel sind und die reguläre Polizei an ihre Grenzen kommt.
- Vollstreckung von Haftbefehlen gegen gefährliche Täter
- Geiselbefreiung und Zugriffe bei Terror- und Bedrohungslagen
- Verhinderung von Suizidversuchen
- Begleitung von Gefangenentransporten
- Razzien im Bereich der organisierten Kriminalität
Wie das SEK entstanden ist
Wie die GSG 9 sind die SEK eine Folge des Münchner Olympia-Attentats von 1972. 1974 einigten sich die Innenminister der Länder auf ein Konzept für Spezialeinheiten, die auf Landesebene einen ähnlichen Auftrag erfüllen wie die GSG 9 auf Bundesebene.
Dieser Beschluss gilt als Geburtsstunde der deutschen Spezialeinheiten — und ist bis heute der Grund, warum jedes Bundesland eigene Strukturen, eigene Standorte und ein eigenes Auswahlverfahren betreibt.
25 Jahre SEK im NXTGEN Podcast
Wenn jemand erzählen kann, was der Dienst im SEK wirklich bedeutet, dann Mario Nowak. Als ehemaliger SEK-Beamter war er 25 Jahre im Einsatz und hat über 1.500 Missionen erlebt. In unserer Folge spricht er offen über Geiselnahmen, Schusswechsel und Entscheidungen, die in Sekunden über Leben und Tod fielen — von der Gladbeck-Geiselnahme bis zu Operationen gegen die RAF.
Ein roher, schonungsloser Einblick in eine Welt, die sonst im Verborgenen bleibt. Für jeden, der diesen Weg ernsthaft in Erwägung zieht, ist das Pflichtstoff.
Ein Verfahren, 16 Wege: die SEKs der Bundesländer
Hier liegt der entscheidende Punkt für jeden Bewerber: Es gibt kein einheitliches SEK und kein einheitliches Auswahlverfahren. Ein SEK kann der Bereitschaftspolizei, dem Innenministerium oder einer großen Polizeidienststelle angegliedert sein; zunehmend werden die Einheiten den Landeskriminalämtern zugeordnet, oft gemeinsam mit den Mobilen Einsatzkommandos.
Die innere Organisation unterscheidet sich von Land zu Land, die Einheiten umfassen zwischen 40 und 70 Beamte. NRW und Rheinland-Pfalz betreiben SEK in mehreren Städten, Bayern und Hessen je eine Einheit für die Nord- und die Südhälfte, kleinere Flächenländer wie Brandenburg ein zentrales SEK.
Alle 16 im Überblick
- SEK Baden-Württemberg — als einziges deutsches SEK Teil des europäischen ATLAS-Verbunds
- SEK Bayern — zwei Einheiten in Nord- und Südbayern, Südbayern mit alpiner Komponente
- SEK Berlin — rund 500 Einsätze pro Jahr, Höchstalter beim Einstieg 32
- SEK Brandenburg — zentrales SEK
- SEK Bremen — mit maritimen Einsatzfähigkeiten
- SEK Hamburg — Sonderfall mit integrierten SEK- und MEK-Gruppen, maritime Fähigkeiten, höherer Frauenanteil
- SEK Hessen — Einheiten für Nord und Süd; SEK Frankfurt wurde 2021 aufgelöst und neu aufgestellt
- SEK Mecklenburg-Vorpommern
- SEK Niedersachsen
- SEK Nordrhein-Westfalen — mehrere Einheiten, zusammen rund 900 Einsätze pro Jahr
- SEK Rheinland-Pfalz — mehrere Standorte
- SEK Saarland
- SEK Sachsen
- SEK Sachsen-Anhalt
- SEK Schleswig-Holstein
- SEK Thüringen
Der Weg ins SEK
Man bewirbt sich nicht von außen. Voraussetzung ist eine abgeschlossene Polizeiausbildung im mittleren oder gehobenen Dienst, mehrere Jahre Berufserfahrung im Wach- und Wechseldienst oder einer Einsatzhundertschaft – und eine bestandene Sicherheitsüberprüfung. Die Bewerbung läuft auf dem Dienstweg.
- Schritt 1. Abgeschlossene Polizeiausbildung (mittlerer oder gehobener Dienst) bei der Landespolizei
- Schritt 2. 2–3 Jahre Berufserfahrung im Wach- und Wechseldienst oder in einer Einsatzhundertschaft
- Schritt 3. Bewerbung auf dem Dienstweg, Sicherheitsüberprüfung, Auswahlverfahren bestehen
- Schritt 4. Basislehrgang & Probezeit im Stammkommando absolvieren
Und der Weg endet nicht mit der Aufnahme: SEK-Beamte unterziehen sich jährlich einem Leistungscheck — wer ihn nicht besteht, dem droht der Ausschluss aus der Einheit.
Voraussetzungen im Überblick
Das SEK-Auswahlverfahren
Die Grundstruktur ähnelt sich überall: Je nach Bundesland verteilt sich das Verfahren auf 3 bis 5 Tage und umfasst eine erweiterte polizeiärztliche Untersuchung über die PDV 300 hinaus, einen Sporttest, kognitive Tests, psychologische Diagnostik mit Stressszenarien, eine Schieß- und Taktikprüfung sowie ein Auswahlgespräch vor einer Kommission aus Psychologen und aktiven SEK-Beamten. Im Gespräch wird gezielt nach Teamfähigkeit gesucht – Einzelgänger mit Rambo-Verhalten werden nicht geduldet.
Was du körperlich mitbringen solltest
- Cooper-Test – ca. 2.800–3.000 m (allg. Polizei nur 2.500–2.800 m)
- Klimmzüge im Ristgriff – 8–12 saubere Wiederholungen
- 100-m-Sprint – unter 13 Sekunden
- Bankdrücken – ca. ¾ des Körpergewichts
- Sit-ups – rund 50 Wiederholungen
- Hindernisparcours – inkl. 1,80-m-Mauer & Abseiltest (Höhentoleranz)
Die Mindestwerte sind die Untergrenze. Da du dich im Verfahren direkt mit deinen Mitbewerbern misst, reicht knappes Bestehen selten.
So unterschiedlich setzen die Länder das um
- NRW: 4 getrennte Tage, harter Pass/Fail-Sporttest (eine Disziplin unter Niveau = komplett durchgefallen, keine Kompensation), Kasten-Bumerang-Test unter 17,5 s, wissenschaftlicher Eignungstest auf Team- und Konfliktverhalten.
- Bayern: Punktesystem mit Mindestschwelle, statt Cooper ein Pendellauf (4×10 oder 4×15 m), Fokus auf Koordination, Schnelligkeit und Explosivkraft.
- Gemeinsam: Aussortiert wird selten beim Sport — die größte Hürde sind kognitive Tests unter Zeitdruck und das Psychologeninterview unter angestautem Stress.
Ausbildung, Härtephase & Besoldung
Es folgt ein rund sechsmonatiger Basislehrgang mit Sport, Taktik, Recht und Schießausbildung, danach eine sechsmonatige Probezeit im Stammkommando. In NRW dauert die gemeinsame Ausbildung für SEK, MEK und Verhandlungsgruppe ein Jahr am Bildungszentrum in Selm-Bork. Trainiert werden Eindringen in Gebäude, Kletter- und Fahrsicherheitstraining, Kampfsport (z. B. Jiu-Jitsu), Stressresistenz und umfassende Schießfertigkeiten.
Berlin beschreibt seinen Basislehrgang ähnlich – mit Sport, Taktik, Recht, Einsatzmitteln, Schießen und bewusst überraschenden Anforderungen, ohne erlaubte Ausfallzeiten. Wer die Standards nicht hält, fliegt — und das kann jederzeit passieren.
Besoldung
SEK-Beamte werden nach dem Besoldungsgesetz ihres Landes bezahlt. Hinzu kommt eine Zulage für Spezialeinheiten von je nach Land etwa 150–400 € im Monat (in NRW seit 2016 auf 300 € angehoben). Für den aktiven Zugriffsdienst gibt es eine Altersgrenze, die je nach Land bei etwa 45 Jahren liegt — danach geht es zurück in den regulären Dienst.
SEK, GSG 9 und KSK – wer ist wofür zuständig?
Kurz zur Einordnung, weil das oft durcheinandergeht: Das SEK ist die Spezialeinheit der Landespolizei und arbeitet im jeweiligen Bundesland. Die GSG 9 ist die Spezialeinheit der Bundespolizei und operiert bundesweit und international. Das KSK ist eine militärische Einheit der Bundeswehr für Auslandseinsätze.
Wer zur GSG 9 will, muss Bundespolizist sein. Wer zum SEK will, Landespolizist. Wer zum KSK will, geht den militärischen Weg über die Bundeswehr.
Häufige Fragen zum SEK
Wer kann sich für das SEK bewerben?+
Gibt es ein einheitliches SEK-Auswahlverfahren?+
Wie viele bestehen das Verfahren?+
Welche Sporttest-Werte muss ich schaffen?+
Warum scheitern so viele trotz guter Fitness?+
Wie lange dauert die Ausbildung nach bestandenem Verfahren?+
Gibt es eine Altersgrenze im SEK?+
Ist das SEK dasselbe wie die GSG 9?+
Wie bereite ich mich am besten vor?+
Du willst ins SEK? Dann zählt, wie du dich vorbereitest.
Das Verfahren unterscheidet sich von Land zu Land – aber das Muster ist überall gleich: Körper, Kopf und Psyche werden gleichzeitig gefordert. NXTGEN Athlete bereitet Polizistinnen und Polizisten gezielt auf das Verfahren ihrer Einheit vor. Im kostenlosen Beratungsgespräch schauen wir uns deinen Stand an und sagen dir ehrlich, was bis zu deinem Termin realistisch ist.














