Was ist die GSG 9?
Die GSG 9 ist die Spezialeinheit der Bundespolizei. Sie bekämpft Terrorismus sowie Schwerst- und Gewaltkriminalität und löst polizeiliche Sonderlagen wie Geiselnahmen, Amokläufe und Terroranschläge. Die Abkürzung steht für Grenzschutzgruppe 9. Der Bundesgrenzschutz heißt seit 2005 Bundespolizei, der weltweit bekannte Name GSG 9 wurde aber beibehalten und nur um den Zusatz „der Bundespolizei" ergänzt.
Seit dem 1. August 2017 ist die Einheit der Bundespolizeidirektion 11 nachgeordnet, die die Spezialkräfte der Bundespolizei bündelt. Rund 300 bis 400 Beamtinnen und Beamte gehören zur GSG 9. Das offizielle Karriere-Motto bringt auf den Punkt, worauf es ankommt: Deine schärfste Waffe ist der Verstand.
Auftrag und Aufgaben
Im Auftrag des Bundesinnenministeriums wehrt die GSG 9 Gefahren durch Gewalt, Terror und schwere Kriminalität ab. Ihre wichtigste Aufgabe ist es, Menschenleben zu retten. Mit ihrem Wissen unterstützt sie auch andere Behörden wie das Bundeskriminalamt, das Auswärtige Amt oder den Zoll.
Anders als die Spezialeinsatzkommandos der Länder operiert die GSG 9 bundesweit und international. Auf Anfrage der EU oder der Vereinten Nationen nimmt die Einheit an Auslandsmissionen teil, berät dort und bildet andere Spezialeinheiten aus. Zu den Aufgaben zählen unter anderem:
- Geiselnahmen, Amoklagen und Terroranschläge auflösen
- Schwerste und organisierte Kriminalität bekämpfen
- Hochrisiko-Zugriffe und Festnahmen durchführen
- Bundes- und Landesbehörden sowie den Zoll unterstützen
- Im Auftrag von EU oder UN Spezialeinheiten im Ausland ausbilden
Warum es die GSG 9 gibt
Die GSG 9 wurde am 26. September 1972 gegründet, als direkte Konsequenz aus dem Olympia-Attentat von München. Bei den Olympischen Spielen 1972 konnte die bayerische Landespolizei die Ermordung von elf israelischen Athleten durch die Terrororganisation Schwarzer September nicht verhindern. Es zeigte sich, dass die deutsche Polizei auf solche Lagen nicht vorbereitet war. Gründungskommandeur war Ulrich Wegener, der im April 1973 die Einsatzbereitschaft der ersten beiden Einheiten meldete.
Den Namen in der Welt machte der Einsatz von Mogadischu. In der Nacht auf den 18. Oktober 1977 stürmte die GSG 9 auf dem Flughafen der somalischen Hauptstadt die von Terroristen entführte Lufthansa-Maschine „Landshut" und befreite die 86 Geiseln. Bis heute ist das einer der bekanntesten Anti-Terror-Einsätze der Geschichte.
Im Gespräch mit jemandem aus dem GSG-9-Umfeld
Wer wirklich verstehen will, wie die GSG 9 arbeitet und worauf es im Auswahlverfahren ankommt, hört am besten jemandem zu, der diesen Weg selbst kennt. Genau dazu kommt in Kürze eine eigene Folge in unseren Podcast.
Unsere GSG-9-Folge erscheint in Kürze.
Hier wird das Video eingebettet, sobald es online ist.
Wie die GSG 9 aufgestellt ist
Die GSG 9 gliedert sich in mehrere Einsatzeinheiten und eine Reihe von Unterstützungseinheiten. Die Einsatzeinheiten sind nach Einsatzart und Verbringung spezialisiert: Operationen zu Land, über und unter Wasser mit eigenen Tauchern sowie luftgestützt per Fallschirm, inklusive Sprüngen aus großer Höhe und bei Dunkelheit. Seit 2019 ist eine vierte Einheit in Berlin aktiv, um die Reaktionszeit im Großraum der Hauptstadt zu verkürzen.
Dazu kommen Unterstützungseinheiten mit Spezialisten für Bereiche wie Aufklärung, Entschärfung und Öffnungstechnik, operative Technik und Einsatzmedizin. Erst dieses Zusammenspiel macht die Einheit für ihr breites Aufgabenspektrum einsatzbereit.
Standorte
Hauptsitz und Ausbildungszentrum ist Sankt Augustin-Hangelar bei Bonn. Ein zweiter Standort entsteht in Berlin, der Berliner Teil soll ab 2026 in der Schmidt-Knobelsdorf-Kaserne in Spandau untergebracht werden. Ein weiterer Standort in Neustadt in Holstein an der Ostsee ist geplant.
Der Weg in die GSG 9
Das ist der wichtigste Unterschied zu militärischen Spezialeinheiten und der Punkt, an dem die meisten Missverständnisse entstehen: Die GSG 9 ist kein Einstiegsberuf. Niemand bewirbt sich direkt von der Straße oder aus dem Militär. Der Weg führt immer zuerst über den Polizeidienst und verläuft in drei Stufen.
- Polizist werden. Zuerst die Laufbahnausbildung im mittleren oder gehobenen Dienst, bei der Bundespolizei oder einer Landespolizei, und etwas Diensterfahrung sammeln.
- Das EAV bestehen. Das fünftägige Eignungsauswahlverfahren der GSG 9 ist die eigentliche Hürde.
- Die Ausbildung absolvieren. Eine rund neun- bis zehnmonatige Basis- und Spezialausbildung, an deren Ende das Tätigkeitsabzeichen der GSG 9 steht.
Ein Quereinstieg aus dem Militär oder dem zivilen Bereich ist formal nicht möglich. Militärische Erfahrung wird in der Auswahl positiv bewertet, ersetzt aber nicht die polizeiliche Laufbahnprüfung. Beamte einer Landespolizei, die das EAV bestehen, werden zur Bundespolizei versetzt.
Voraussetzungen im Überblick
Die exakten Vorgaben für den Einzelfall nennt der Personalbereich der GSG 9 beziehungsweise die Bundespolizei. Eine Bewerbung läuft über den Dienstweg, nicht direkt bei der Einheit.
Das Eignungsauswahlverfahren (EAV)
Das EAV gilt als eines der härtesten polizeilichen Auswahlverfahren. Es dauert fünf Tage, von denen die ersten vier durchgehend aktive Belastung sind. Der fünfte Tag dient der Ergebnisbekanntgabe. Das Prinzip ist hart und einfach: Mit jedem Tag wächst die Erschöpfung, die geistigen Anforderungen bleiben gleich hoch. Eine Besonderheit der GSG 9 ist, dass sie ihre Sporttest-Anforderungen offiziell veröffentlicht. Das ist bei deutschen Spezialeinheiten die Ausnahme.
Die erste Eliminierungsrunde
- Cooper-Test (12 Min Lauf) – mindestens 3.000 m
- Bankdrücken (75 % Körpergewicht) – mindestens 10 Wdh.
- Klimmzüge (strikt, Obergriff) – mindestens 10, vollständig ausgehängt, kein Schwung, keine Butterfly-Technik
- 100-Meter-Sprint – unter 13,4 Sekunden
- Standweitsprung – mindestens 2,40 m
- Hallenhindernisbahn (14 Hindernisse) – unter 3:30 Minuten
Das sind Mindestwerte, keine Zielwerte. Wer nur das Minimum schafft, konkurriert mit Bewerbern, die deutlich darüber liegen. Sinnvolle Orientierung sind eher 3.200 Meter im Cooper-Test und 15 Klimmzüge.
Der weitere Ablauf über die Woche
- Tag 2: Geschicklichkeitstest, praktisch-technisches Verständnis, Reaktionstest, erstes Interview, Schießtest mit der Dienstpistole, mündlicher Englischtest
- Tag 3: Hallenhindernisbahn, Schießtest mit der MP5, Höhentest, Interview sowie ein Belastungslauf mit anschließendem Konzentrationstest
- Tag 4: ein langer kognitiver Abschlusstest und das finale Auswahlgespräch
- Tag 5: Ergebnisse und Einweisung
Die Ausbildung und die Härtephase
Wer das EAV besteht, hat erst die Eintrittskarte. Es folgt eine rund neun- bis zehnmonatige Ausbildung in zwei Blöcken. Die Basisausbildung vermittelt Zugriffstechniken, Schießausbildung, Nahkampf, Sprengmittelkunde, Seil- und Klettertechnik sowie taktische Erste Hilfe. Die Spezialausbildung trainiert dann die Königsdisziplinen wie die Geiselbefreiung in Flugzeugen, Bussen, Schiffen und Gebäuden.
In der Ausbildung liegt eine mehrtägige Härtephase mit Märschen unter hoher Gepäcklast, minimalem Schlaf und minimaler Verpflegung. Sie ist der letzte große Filter. Wer sie abbricht, verlässt die Einheit, unabhängig von allen vorherigen Ergebnissen. Am Ende der erfolgreichen Ausbildung steht das Tätigkeitsabzeichen der GSG 9, und der Beamte wird in eine der aktiven Einheiten integriert.
GSG 9 oder KSK – was ist der Unterschied?
Beide gelten als Elite, sie gehören aber zu völlig verschiedenen Welten. Die GSG 9 ist polizeilich und Teil der Bundespolizei, ihr Auftrag liegt im Schwerpunkt im Inland bei Terror und schwerster Kriminalität. Das KSK ist militärisch und Teil des Heeres, es wird weltweit für militärische Spezialoperationen eingesetzt.
Auch der Weg unterscheidet sich grundlegend. In die GSG 9 kommt man nur über eine abgeschlossene Polizeiausbildung. Ins KSK führt der militärische Weg über die Bundeswehr. Wer sich orientiert, sollte also zuerst die Frage klären, ob er den polizeilichen oder den militärischen Weg gehen will.
Häufige Fragen zur GSG 9
Was ist die GSG 9?+
Kann ich mich als Soldat oder Zivilist direkt bei der GSG 9 bewerben?+
Bis zu welchem Alter kann ich mich bewerben?+
Wie läuft das Eignungsauswahlverfahren (EAV) ab?+
Welche Sporttest-Werte muss ich schaffen?+
Warum scheitern auch körperlich fitte Bewerber?+
Wie lange dauert die Ausbildung nach dem EAV?+
Ist eine Laser-Augen-OP erlaubt?+
Wie kann ich mich auf das GSG-9-EAV vorbereiten?+
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