Was ist das AAD 10?
Das Armee-Aufklärungsdetachement 10, kurz AAD 10, ist die Berufsspezialeinheit der Schweizer Armee. Auf Französisch heißt es Détachement de reconnaissance de l'armée 10 (DRA 10), auf Italienisch Distaccamento d'esplorazione dell'esercito 10 (DEE 10). Mit rund 90 Soldatinnen und Soldaten ist es eine kleine, hochselektierte Truppe und bildet die professionelle Kernkomponente des Kommandos Spezialkräfte (KSK) der Schweizer Armee.
Als Teil des KSK gehört das AAD 10 zu den strategischen Einsatzkräften des Bundesrates für Krisen im Ausland. Die Einheit ist auf Einsätze in einem Umfeld ohne stabile staatliche Strukturen ausgerichtet und meidet die Öffentlichkeit. Stationiert ist sie im Tessin. In der Struktur orientiert sie sich am britischen Special Air Service.
Auftrag und Aufgaben
Das AAD 10 erfüllt Aufträge, die rasch, verdeckt und unter hohem Risiko ablaufen, in der Regel im Ausland. Die Auslandeinsätze unterstehen der politischen Kontrolle der Sicherheits- und Aussenpolitischen Kommissionen der Bundesversammlung. Zu den Kernaufgaben gehören:
- Schlüsselnachrichten beschaffen
- Personen, Truppen und Einrichtungen bei erhöhter Bedrohung schützen
- Schweizer Bürgerinnen und Bürger aus Krisengebieten retten, befreien und zurückführen
- Sicherheitsberatung und militärische Assistenz leisten, etwa Partnerkräfte ausbilden
Öffentlich sichtbar wurde die sonst verschwiegene Truppe nur in Ausnahmefällen, etwa als sie im Februar 2022 den Schweizer Botschafter und weitere Mitarbeitende aus Kiew ausser Landes brachte und im Oktober 2022 Bundespräsident Ignazio Cassis auf einer Reise in die Ukraine begleitete.
Warum es das AAD 10 gibt
Das AAD 10 wurde 2004 im Rahmen der Armeereform Armee XXI aufgestellt. Der Anstoß kam aus den sicherheitspolitischen Veränderungen nach dem Kalten Krieg: In den 1990er-Jahren entstanden zahlreiche instabile Staaten, und die Politik wollte einen Teil der Armee, der schnell und bestens vorbereitet im Ausland eingesetzt werden kann, etwa um gefährdete Schweizerinnen und Schweizer rasch zu schützen. Bereits 2001 wurde der Auftrag im Armeeleitbild XXI festgehalten.
Den Kern bildeten anfangs rund 30 speziell ausgebildete Soldaten. Heute ist das AAD 10 eine etablierte Berufsformation, deren Angehörige bewusst im Verborgenen arbeiten. Das Stichwort dahinter lautet Opsec, die Sicherheit der Operation, denn nichts soll einen Einsatz gefährden.
Ein Mitbegründer des AAD 10 im NXTGEN Podcast
Wer verstehen will, wie das AAD 10 entstanden ist und wie die Einheit denkt, bekommt bei uns einen seltenen Einblick aus erster Hand. Marco Dâmaso ist einer der zentralen Architekten des AAD 10 und war über 34 Jahre im aktiven Dienst. Er hat die Strukturen, Taktiken und Auswahlprozesse mitentwickelt, die die Einheit bis heute prägen.
Solche Einblicke bekommt man fast nirgends. Für angehende Kandidaten sind sie wertvoll, weil sie zeigen, worauf es im AAD 10 wirklich ankommt.
Wie das AAD 10 aufgestellt ist
Das AAD 10 ist die Berufsformation innerhalb des Kommandos Spezialkräfte. Zum KSK gehören außerdem ein Stabsbataillon und zwei Grenadierbataillone, die aus Milizsoldatinnen und -soldaten bestehen. Das AAD 10 selbst besteht aus professionellen Armeeaufklärerinnen und Armeeaufklärern.
Nach dem Grundkurs werden die Angehörigen einem Zug zugeteilt. Parallel läuft die Spezialisierung weiter, entweder als Sanitäts-, Übermittlungs- oder Sprengspezialist oder als Scharfschütze. Im AAD 10 dienen Angehörige in den Rängen vom Wachtmeister bis zum Oberstleutnant, mit breitem beruflichem Hintergrund von handwerklichen Berufen bis zu Hochschulabschlüssen.
Standort
Das Kommando des AAD 10 ist im Tessin stationiert, in der Region Rivera und Isone südlich des Monte Ceneri. Bewerbungen behandelt die Einheit ausdrücklich diskret.
Der Weg ins AAD 10
Zum Auswahlverfahren zugelassen sind aktive und ehemalige Angehörige der Schweizer Armee aus allen Waffengattungen. Besondere Vorkenntnisse oder eine Kaderschule sind nicht zwingend. Eine Anstellung erfolgt als Fachberufsoffizier oder Fachberufsunteroffizier und ist grundsätzlich unbefristet, faktisch aber durch Gesundheit und altersbedingte Leistungsfähigkeit begrenzt.
Voraussetzungen im Überblick
Die Selektion Schritt für Schritt
Das Auswahlverfahren findet einmal jährlich statt und ist mehrstufig. Geprüft werden physische, psychische und intellektuelle Leistungsfähigkeit. Eine Anstellung ist nur möglich, wenn alle Teilprüfungen bestanden sind.
Der Sporttest — die erste harte Hürde
- Liegestütze (ohne Unterbruch) – 50
- Rumpfbeugen (ohne Unterbruch) – 60
- Klimmzüge, Ristgriff (ohne Unterbruch) – 10
- 5 km Geländelauf (Sportbekleidung) – max. 24 Min.
- 8 km Eilmarsch (Tarnanzug, 15 kg) – max. 58 Min.
- 25 km Eilmarsch (Tarnanzug, 25 kg) – Richtzeit 3,5 h
- 300 m Schwimmen – max. 10 Min.
Wer die Mindestwerte nicht erfüllt, scheidet hier aus. Parallel laufen psychologische Einstufungstests über die zwei Tage.
~19 Tage unter Dauerstress
- Motivation & Mindset – wer bleibt, wenn alles wehtut?
- Leistung unter Schlafentzug – kognitiv & körperlich
- Verhalten unter Stress – Entscheidungen, wenn die Zeit knapp ist
- Teamfähigkeit – die Einheit über das Ego stellen
Der bewusste zeitliche Abstand zur Vorauswahl erlaubt gezielte Vorbereitung — in genau dieser Phase entscheidet sich oft, wer am Ende besteht.
Die Ausbildung zum Armeeaufklärer
Die Ausbildung dauert insgesamt rund 18 Monate und gliedert sich in Grundausbildung, Spezialistenausbildung und Infiltrationstechnikausbildung. Die Grundausbildung ist für alle gleich strukturiert und dauert 52 Wochen — schon nach sechs Monaten sind die Teilnehmenden für ein reduziertes Aufgabenspektrum einsatzbereit.
Neben der praktischen Ausbildung in Einsatztechniken wie Schutz, Aufklärung, Patrouillen- und Gefechtstechnik, Übermittlung, Überleben und Sanitätsdienst wird viel Wert auf Theorie gelegt: Rechtslehre, Geografie, Ethnologie, interkulturelle Kompetenz, internationale Sicherheitspolitik, Sprach- und Kommunikationstechnik, Taktik und Führung. Danach folgt die Vertiefung der Infiltrationstechnik des jeweiligen Zuges und die Einzelspezialisierung.
AAD 10, KSK und GSG 9 — wer ist wer?
Wichtiger Hinweis, weil hier oft Verwirrung entsteht: In der Schweiz steht KSK für das Kommando Spezialkräfte der Schweizer Armee, also den Dachverband, zu dem das AAD 10 gehört. In Deutschland meint KSK dagegen das Kommando Spezialkräfte des Heeres, eine eigene Einheit der Bundeswehr.
- AAD 10: Berufsspezialkräfte der Schweizer Armee, Schwerpunkt Auslandeinsätze, Teil des Schweizer KSK.
- KSK (Deutschland): Spezialkräfte des deutschen Heeres für militärische Operationen weltweit.
- GSG 9: Spezialeinheit der deutschen Bundespolizei, polizeilich, Schwerpunkt Terror und schwerste Kriminalität im Inland.
Häufige Fragen zum AAD 10
Was ist das AAD 10?+
Wer kann sich beim AAD 10 bewerben?+
Gibt es eine Altersgrenze?+
Wie läuft die Selektion ab?+
Welche Sporttest-Werte muss ich in der Vorauswahl schaffen?+
Kann ich als Brillenträger ins AAD 10?+
Wie lange dauert die Ausbildung?+
Ist das AAD 10 dasselbe wie das KSK?+
Wie bereite ich mich auf die AAD-10-Selektion vor?+
Bereit für das AAD 10?
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