Was ist das Kommando Spezialkräfte?
Das Kommando Spezialkräfte, kurz KSK, ist der Spezialkräfteverband des Deutschen Heeres. Stationiert ist der Verband in der Graf-Zeppelin-Kaserne im baden-württembergischen Calw, rund 30 Kilometer südwestlich von Stuttgart. Truppendienstlich gehört das KSK zur Division Schnelle Kräfte und zählt als Großverband auf Brigadeebene über 1.500 Angehörige.
Kommandosoldaten werden für Aufgaben ausgewählt und ausgebildet, die reguläre Truppenteile so nicht leisten können. Sie agieren jederzeit, weltweit und unter allen klimatischen Bedingungen. Ihr Einsatz ist in der Regel verdeckt, findet in einem gefährlichen Umfeld statt und unterliegt der Geheimhaltung. Das Leitmotto fasst die Haltung dahinter in drei Worten: Der Wille entscheidet (lat. Facit omnia voluntas).
Geführt wird das KSK seit Oktober 2025 von Brigadegeneral Andreas Kühne. Bei Bewaffnung und Ausrüstung setzt der Verband unter anderem auf das Sturmgewehr G95K und das Maschinengewehr MG6.
Der Auftrag und die fünf Kernaufträge
Schwerpunkt ist die Landes- und Bündnisverteidigung gemeinsam mit anderen Kräften der Bundeswehr und den NATO-Partnern. Spezialkräfte gewinnen Schlüsselinformationen für die strategische und operative Führung und bekämpfen Hochwertziele, auch tief im gegnerischen Raum. Hinzu kommt der Einsatz bei internationalen Krisen.
- Deutsche Geiseln im Ausland aus Gefangenschaft oder terroristischer Bedrohung befreien
- Hochwertziele von strategischer oder operativer Bedeutung bekämpfen
- Zielpersonen im Rahmen internationaler Einsätze festsetzen
- Schlüsselinformationen für die militärische Führung gewinnen
- Ausgewählte ausländische Partnerspezialkräfte ausbilden und ertüchtigen
Operationen von Spezialkräften lassen sich kontrolliert und jederzeit begrenzbar führen – genau das macht sie zu einer politischen Handlungsoption, wenn herkömmliche militärische Mittel zu grob oder zu sichtbar wären. Dabei gelten für das KSK dieselben verfassungsrechtlichen Vorgaben wie für die gesamte Bundeswehr.
Warum es das KSK gibt
Aufgestellt wurde der Verband am 20. September 1996. Der Anstoß kam aus einer konkreten Lücke: Bei der Evakuierung aus Ruanda 1994 konnte Deutschland eigene Staatsangehörige nicht aus eigener Kraft in Sicherheit bringen und war auf befreundete Streitkräfte angewiesen. Diese Abhängigkeit wollte man beenden.
Als Vorbilder dienten der britische Special Air Service, die Spezialkräfte der USA und die GSG 9 der Bundespolizei. Seit seiner Aufstellung wurde das KSK unter anderem auf dem Balkan und über zwei Jahrzehnte in Afghanistan eingesetzt.
2020 durchlief der Verband eine tiefgreifende Reform. Nach Vorfällen mit rechtsextremen Bezügen und Unregelmäßigkeiten beim Munitionsumgang wurde eine Kompanie aufgelöst und die interne Kultur, Aufsicht und Ausbildung neu aufgestellt.
Ein ehemaliger KSK-Kommandeur im NXTGEN Podcast
Generalmajor Dag Baehr war von 2013 bis 2017 Kommandeur des KSK und der erste in dieser Funktion, der selbst die Ausbildung zum Kommandosoldaten durchlaufen hat. Heute ist er Vizepräsident des Bundesnachrichtendiensts.

Wie das KSK aufgestellt ist
Die Gliederung folgt der Anforderung, kurzfristig und weltweit autark arbeiten zu können. Das hat im Kern drei Bausteine.
Stab und Führung
Der Stab unterstützt den Kommandeur in den Führungsgrundgebieten: Personalführung, militärische Sicherheit und Nachrichtengewinnung, Planung, Logistik und IT. Seit 2017 verfügt das KSK zusätzlich über eine Stabs- und Führungsunterstützungskompanie, mit der es ein multinationales Special Operations Component Command stellen kann.
Kommandokompanien
Den Kern bilden die Kommandokompanien mit den eigentlichen Kommandosoldaten. Sie sind auf unterschiedliche Einsatzarten spezialisiert – aus der Luft, auf dem Land- und Wasserweg oder unter extremen klimatischen Bedingungen. Innerhalb der Teams gibt es weitere Spezialisierungen wie Scharfschütze oder Sprengstoffexperte.
Unterstützungskräfte
Logistik, Instandsetzung, IT- und Fernmeldewesen, Sanitätsversorgung und eigene Spezialpioniere. Für die Ausbildung ist dem KSK der Ausbildungsstützpunkt Spezialkräfte Heer direkt unterstellt. Eng zusammen arbeitet der Verband mit dem Hubschraubergeschwader 64 der Luftwaffe.
Wer sich bewerben kann
Das KSK hat ein eigenes Einstellungsverfahren. Bewerben können sich Soldatinnen und Soldaten aller Truppengattungen. Erster Ansprechpartner ist der Personalwerbetrupp des KSK.
Über die formalen Kriterien hinaus zählt vor allem das, was sich nicht auf dem Papier abbilden lässt: körperliche Leistungsfähigkeit, mentale Robustheit, Eigenständigkeit und ein belastbarer Wille.
Das Potenzialfeststellungsverfahren (PFV)
Das PFV ist der Aufnahmetest des KSK und gilt als eines der härtesten Auswahlverfahren der Bundeswehr. Wer es besteht, wird zur zweijährigen Ausbildung zum Kommandosoldaten zugelassen. Es findet zweimal im Jahr statt – im April und im Oktober.
Leistung und Trainierbarkeit
Geprüft werden körperliche Leistung, Trainierbarkeit sowie kognitive und psychologische Merkmale. Es gilt die Bestenauswahl. Für Offiziere liegt die Messlatte bei den kognitiven Tests höher.
- 5 × 1000-Meter-Lauf (3 Min Pause) – 4:30 / 4:20 / 4:10 / 4:00 / 3:50
- Psycho-Motorik-Test (PMT) – Hallenhindernisparcours mit Verwundetentransport
- Klimmzüge – 7 Wiederholungen
- Bauchaufzüge – 20 in 30 Sekunden
- Liegestütze (Hand Release) – 22 in 30 Sekunden
- Sparring – 2 Minuten
- Kleiderschwimmen – 200 m in 7:30 Minuten
- Gepäckmarsch – 20 km mit 20 kg unter 3,5 Stunden
Beim 5 × 1000-Meter-Lauf muss die fünfte und letzte Runde die schnellste sein.
Wille unter Dauerbelastung
Aufgaben unter Schlafentzug, Nahrungsknappheit, Zeitdruck, Dunkelheit, Kälte, Enge, im Wasser oder in der Höhe. Bewertet werden Durchhaltefähigkeit, mentale Robustheit und die Fähigkeit, motorische Muster schnell zu lernen. Medizinische Daten werden rund um die Uhr überwacht, in Zusammenarbeit mit der Universität der Bundeswehr in München.
Harte Regeln: Rote Karte = zwei Jahre gesperrt. Betrug = sofortige Ablösung und dauerhafter Ausschluss. Im begleiteten Durchgang bestand etwa ein Drittel.
Führung im Extremen
Offiziere zeigen ihre Führungsfähigkeit unter extremen Bedingungen – auch dann, wenn die eigenen Reserven längst aufgebraucht sind.
Die Ausbildung zum Kommandosoldaten
Mit dem bestandenen PFV ist man noch kein Kommandosoldat – der Test beweist nur das Potenzial. Die anschließende zweijährige Basisausbildung führt durch zahlreiche Lehrgänge, teils im Ausland.
Schießen auf höchstem Niveau, mehrwöchige taktische Sanitätsausbildung, Sprengstoffe, arktische Klimazonenausbildung in Nordamerika bei bis zu minus 40 Grad, Abseilen aus dem Hubschrauber und ein mehrwöchiger Lehrgang zum Vorgehen im urbanen Umfeld.
Wer alle Module besteht und die Abschlussübung meistert, dem heftet der Kommandeur das Kommandoabzeichen an.
KSK, KSM oder GSG 9 – wer macht was?
- KSK (Kommando Spezialkräfte): Spezialkräfte des Heeres für militärische Operationen weltweit, vor allem zu Lande.
- KSM (Kommando Spezialkräfte Marine): Spezialkräfte der Marine, darunter die Kampfschwimmer – maritime Einsätze.
- GSG 9: Spezialeinheit der Bundespolizei. Polizeilich, vor allem Terrorismusbekämpfung, überwiegend im Inland.
Die Anforderungsprofile ähneln sich in der Grundfitness, unterscheiden sich aber deutlich in den Schwerpunkten.
Häufige Fragen zum KSK
Was ist das Kommando Spezialkräfte (KSK)?+
Wo ist das KSK stationiert?+
Wer kann sich beim KSK bewerben?+
Wie läuft das Potenzialfeststellungsverfahren (PFV) ab?+
Wie schwer ist das PFV und wie viele bestehen es?+
Wie oft findet das KSK-Auswahlverfahren statt?+
Wie lange dauert die Ausbildung zum Kommandosoldaten?+
Wie kann ich mich auf das KSK-Auswahlverfahren vorbereiten?+
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