
Rekrutenschule Schweiz: Ablauf, Fitnesstest und Vorbereitung (2026)
5. Juli 2026 · 11 Min. Lesezeit
Von Denis Pfeifer
Die Schweiz ist unter den europäischen Wehrsystemen ein Sonderfall: Wehrpflicht plus Milizsystem, kombiniert mit einer echten Berufsarmee-Kompetenz in den Spezialverbänden. Wer als 18- bis 25-Jähriger einrückt, findet in der RS keine „durchgereichte" Sozialisierung wie in Ländern mit reiner Berufsarmee, sondern die Grundausbildung, aus der später die gesamte Milizarmee besteht. Wer das versteht, plant seine 18 Wochen anders — und macht aus ihnen deutlich mehr als „durchhalten".
Als Coach für Einsatzkräfte habe ich in den letzten Jahren mehrere Schweizer Athleten durch die Vorbereitung auf die RS begleitet — zum Teil mit dem Ziel Grenadier oder AAD 10 / MP Spez Det im Blick. Die typische Falle: RS wird als „das schafft man schon" gesehen. Wer aber schon vor Einrückung Kadergedanken hat, muss die ersten drei Wochen genau nutzen — Formaldienst, Auftritt, Präzision und der FTA5-Score sind alle Signale, die dein Kaderbild bei den Ausbildern zeichnen.
Der FTA5 im Detail: Fünf Disziplinen, 125 Punkte Maximum
Der Fitnesstest der Armee 5 Disziplinen (FTA5) ist im Dokument 0202 der Technischen Weisung geregelt und wird bei der Rekrutierung, in der RS und in Offiziers schulen abgeprüft. Pro Disziplin sind maximal 25 Punkte möglich, Maximum insgesamt 125 Punkte.
| Disziplin | Was gemessen wird | Max. Punkte |
|---|---|---|
| Standweitsprung | Explosive Beinkraft, aus dem Stand nach vorne | 25 |
| Kugelstoßen | Oberkörper- und Rumpfkraft (Männer 4 kg, Frauen 2 kg) | 25 |
| Seilspringen | Koordination und Ausdauer, maximale Wiederholungen in Zeitfenster | 25 |
| Rumpfheben | Rumpfkraft-Ausdauer | 25 |
| 12-Minuten-Lauf | Aerobe Ausdauer (klassischer Cooper-Test) | 25 |
Für die meisten Funktionen genügt eine mittlere Punktzahl. Wer aber ein Grenadierbrevet, die MP Spez Det oder die Offiziersschule anpeilt, sollte konstant über 100 Punkte landen und mindestens 20+ pro Disziplin liefern.

Ablauf der 18 Wochen
Woche 1–3: Allgemeine Grundausbildung (AGA)
Einführung, Formaldienst, Persönliche Ausrüstung, Waffenkunde (SIG 553 / STGW 90), erste Marschübungen, Standesdienst. Die ersten drei Wochen sind bewusst fordernd: viel Schlafentzug, wenig Erholung — hier entscheidet sich, wer als „potenzielles Kader" markiert wird.
Woche 4–10: Funktionsgrundausbildung (FGA)
Vertiefung in deine zugeteilte Funktion — vom Grenadier über Sanitäter bis zum Führungsstaffelsoldat. Erste komplexere Übungen im Verband, Nachtübungen, Marsch mit Gepäck. Ausbildungsstand wird permanent geprüft.
Woche 11–18: Verbandsausbildung (VBA)
Zusammenspiel im Zug und in der Kompanie. Größere Übungen, Zusammenzug mit anderen Waffengattungen, Schießausbildung im Verband. Am Ende steht der Fahnenaufzug und die Entlassung ins zivile Leben — bzw. der Übergang in die weiterführende Kaderschule, wenn du diesen Weg gewählt hast.
Vorbereitung: 12 Wochen reichen
Die Schweizer Armee empfiehlt in ihrer offiziellen „Vorbereitung RS"-Broschüre explizit einen ruhigen Aufbau. Was in der Praxis wirklich trägt:
- Ausdauer: 2 × 40–60 Min ruhige Läufe pro Woche + 1 × Intervall (z. B. 5 × 3 Min)
- Kraft: 2 × Ganzkörper (Kniebeuge, Kreuzheben, Klimmzug, Dip, Rumpf) — kein Bodybuilding
- Marsch: 1 × pro Woche 6–10 km mit 12–15 kg, idealerweise in Bergschuh
- Sprungkraft: Standweitsprung 1–2 × pro Woche mit 5–8 Wiederholungen (nicht mehr — Fußreiz)
- Verletzungsprävention: Mobility 10 Min täglich (Hüfte, Waden, Sprunggelenke), Schlaf mind. 7 h
Für wen die Kaderschiene realistisch ist: parallel bereits das Skript zu Truppenordnung und Kommandosprache anschauen. Wer in Woche 1 den ersten Befehl auf Anhieb sauber ausführt, hebt sich sofort ab.
Was nach der RS kommt
Nach 18 Wochen bist du Angehöriger der Armee (AdA). Danach folgen Wiederholungskurse (WK) — jährlich rund 3 Wochen — bis die Gesamtdienstpflicht (ca. 245 Diensttage für Mannschaft) erfüllt ist. Wer eine Zusatzausbildung wie das Grenadierbrevet anstrebt, hängt Funktionsschulen dran, oder wechselt in eine Berufsformation (AAD 10, MP Spez Det). Und wer den kompletten Vergleich zwischen Grenadier, AAD 10 und MP Spez Det sucht, findet ihn im AAD 10 vs. MP Spez Det-Guide.
Häufige Fragen (FAQ)
Wie lange dauert die Rekrutenschule in der Schweiz?
Standardmäßig 18 Wochen. Für Spezialfunktionen (z. B. Grenadiere) oder Kader (Unteroffizier, Offizier) verlängert sich die Dienstzeit deutlich — der klassische Weg zum Zugführer sind rund 40 Wochen am Stück inklusive Kaderschulen und Praxisdienst.
Wie funktioniert der Fitnesstest der Armee (FTA5)?
Fünf Disziplinen: Standweitsprung, Kugelstoßen (2 kg / 4 kg), Seilspringen, Rumpfheben und 12-Minuten-Lauf. Pro Disziplin maximal 25 Punkte, Maximum insgesamt 125 Punkte. Die Punktzahl entscheidet, welche Funktionen dir in der RS offenstehen — für Grenadiere z. B. sind hohe Werte quer über alle Disziplinen Pflicht.
Kann ich die RS verschieben oder aufteilen?
Ja, in engen Grenzen. Verschiebung ist bis 25 möglich, danach nur mit triftigen Gründen (Studium, Ausbildung, Karriere). Aufteilen — also die RS in zwei Blöcken absolvieren — ist unter bestimmten Bedingungen möglich, aber selten die schnellste Route und für Kaderambitionen ungünstig.
Ist die RS gleich für alle?
Nein. Die 18 Wochen bilden nur den Sockel; darauf setzen sich Funktionsschulen (Fahrer, San, Grenadier, Aufklärer, Führungsstaffel usw.). Grenadiere haben eine deutlich längere und härtere Ausbildung mit eigenem Sporttest und mehreren Filterwochen — mehr dazu im Beitrag zum Grenadier-Sporttest.
Wie bereite ich mich sinnvoll auf die RS vor?
12 Wochen vor Einrückung reichen fast immer. Zwei Läufe pro Woche (30–60 Min in Zone 2), einmal wöchentlich Intervall, zwei Kraft-Einheiten (Ganzkörper), einmal Marsch mit Rucksack. Ziel: nicht spektakulär fit werden, sondern robust genug, dass die erste RS-Woche keine Verletzung provoziert.
Quellen & weiterführende Links
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