Bundeswehr-Rekruten in Flecktarn in Formation auf dem Antreteplatz während der Grundausbildung
Auswahlverfahren

Bundeswehr Grundausbildung: Ablauf, Dauer & Vorbereitung

25. August 2026 · 11 min Lesezeit

Von Denis Pfeifer

Die Grundausbildung ist der erste echte Filter der Bundeswehr. Sie dauert rund drei Monate, umfasst etwa 500 Ausbildungsstunden und ist seit Mai 2026 als Heimatschutzausbildung ausgerichtet. Wer weiß, was in welcher Woche kommt, geht entspannter rein — und kommt vor allem körperlich heil raus. Dieser Guide zeigt den Ablauf Woche für Woche, die sportlichen Anforderungen und wie du dich in sechs bis acht Wochen sauber vorbereitest.

Ich habe meine eigene Grundausbildung als Fallschirmjäger durchlaufen und später als EGB-Fallschirmjäger gedient. Was mir dabei am meisten hängen geblieben ist: Gescheitert sind nicht die Unsportlichsten, sondern die Unvorbereiteten. Der Kandidat mit 3.000 Metern im Cooper-Test, aber neuen Stiefeln und ohne Marscherfahrung, war nach zehn Tagen mit Blasen und Schienbeinschmerzen raus. Heute sehe ich als Coach für Einsatzkräfte genau dasselbe Muster bei Athleten, die ihren Dienstantritt vorbereiten.

Dauer und Struktur: Was sich 2026 geändert hat

Die Grundausbildung dauert rund drei Monate. Sie findet im Heer im Rahmen der Basisausbildung statt, ebenso in Luftwaffe, Marine, im Unterstützungsbereich und in der Teilstreitkraft Cyber- und Informationsraum. Seit Mai 2026 ist sie inhaltlich auf den Heimatschutz zugeschnitten und heißt offiziell Heimatschutzausbildung — umgangssprachlich bleibt es die Grundausbildung.

  • 3 Monate Heimatschutzausbildung als erster Ausbildungsabschnitt.
  • ca. 500 Ausbildungsstunden, verteilt auf sechs Lernfelder.
  • +200 Stunden Fortgeschrittenen-Ausbildung im Heimatschutz für viele im Anschluss.
  • Ziel: Am Ende können alle Soldatinnen und Soldaten grundlegende militärische Aufgaben gemeinsam erfüllen — darauf baut jede weitere Ausbildung auf.

Der Umbau hängt direkt mit der neuen Wehrdienststruktur zusammen. Was politisch dahintersteckt und wen die Neuregelung betrifft, haben wir im Beitrag Der neue Wehrdienst und das Wehrdienstgesetz aufgeschlüsselt.

Ablauf der Grundausbildung Woche für Woche

Je nach Standort und Durchgang verschieben sich Abschnitte, die Reihenfolge ist aber weitgehend stabil. So sieht der typische Ablauf aus:

ZeitraumSchwerpunktInhalte
Woche 1EinschleusungEinkleidung, Ausrüstungsempfang, Unterricht durch Kompaniechef und Kompaniefeldwebel, erste Sportstunden, in vielen Durchgängen der Eingangs-BFT.
Woche 2Innere Führung & FernmeldewesenRechte und Pflichten, Vorgesetztenverhältnisse, Ausbildung an Funkgeräten, Sprechfunkverkehr und Meldungen.
Woche 3Sanitätsausbildung & OrientierenErste Hilfe im Gefecht, Eigenhilfe und Kameradenhilfe, Orientieren im Gelände mit Karte und Kompass.
Woche 4–5WaffenausbildungGewehr G36 und Pistole: Handhabung, Zerlegen, Sicherheitsbestimmungen, Anschlagsarten, trockene Schießausbildung.
Woche 6–7Gefechtsdienst & ABC-AbwehrVerhalten im Gelände, Bewegungsarten, Tarnen und Täuschen, Schutzmaske und ABC-Schutzausrüstung.
Woche 8–9Biwak & WachausbildungMehrtägiger Feldaufenthalt, Nachtdienst, Wachaufgaben, scharfe Schießausbildung auf der Schießbahn.
Woche 10–12Gelöbnis & AbschlussFeierliches Gelöbnis, abschließender BFT, Leistungsüberprüfungen, Marschleistung und Versetzung in die Folgeverwendung.
Tab. 1: Typischer Ablauf der Grundausbildung. Je nach Durchgang kann es zu zeitlichen Verschiebungen der Ausbildungsabschnitte kommen.

Sport in der Grundausbildung: Der Basis-Fitness-Test

Der sportliche Maßstab ist der Basis-Fitness-Test (BFT). Er wird in der Regel früh als Eingangstest abgenommen und am Ende wiederholt — die Verbesserung ist Teil der Bewertung. Der BFT besteht aus drei Disziplinen:

  • 11x10-Meter-SprinttestPendellauf mit Richtungswechseln, testet Antritt und Agilität.
  • Klimmzughang — Haltezeit am Reck, testet Oberkörper- und Griffkraft.
  • 1.000-Meter-Lauf — kurze, intensive Ausdauerbelastung.

Dazu kommt der Alltag: Sport mit Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Kraftausdauer, Hindernisbahn, Marschieren mit Gepäck. Wenn du den Sprung von „läuft irgendwie" auf „läuft sicher" schaffen willst, ist der Vergleich der Sporttest-Anforderungen bei Bundeswehr und Polizei ein guter Startpunkt.

Soldat läuft den 1.000-Meter-Lauf des Basis-Fitness-Tests auf einer Tartanbahn, ein Ausbilder nimmt die Zeit
Abb. 1: Der 1.000-Meter-Lauf entscheidet den BFT häufiger als der Sprinttest — hier rächt sich fehlende Grundlagenausdauer sofort.

Biwak, Wachdienst und die harte Mitte

Die Wochen mit Biwak und Wachausbildung sind für die meisten der Knackpunkt. Nicht wegen der Ausbildungsinhalte, sondern wegen der Kombination aus wenig Schlaf, Kälte, Nässe und ständiger Verfügbarkeit. Wer hier zum ersten Mal erlebt, was Schlafdefizit mit dem Kopf macht, trifft schlechte Entscheidungen — und macht Fehler, die als Disziplinproblem gewertet werden.

Das ist trainierbar. Wie sich Schlafmangel auf Reaktionszeit und Urteilsvermögen auswirkt, habe ich im Beitrag Schlafentzug im Auswahlverfahren von Spezialeinheiten ausführlich beschrieben. Und wie du geplante Kurzschlafphasen taktisch nutzt, steht im Powernap-Guide für Polizisten und Soldaten.

Soldaten im Biwak bei Nacht mit Rotlicht-Stirnlampen und aufgebauten Zelten im Nebel
Abb. 2: Biwak und Wachdienst: Materialpflege und Schlafmanagement entscheiden hier mehr als Fitness.

Vorbereitung: 6–8 Wochen, die den Unterschied machen

1. Grundlagenausdauer zuerst

Drei Laufeinheiten pro Woche, davon zwei ruhige Dauerläufe von 30 bis 50 Minuten und eine Intervalleinheit. Der 1.000-Meter-Lauf ist kurz, aber du wirst ihn müde laufen — nicht ausgeruht. Wer den Cooper-Test in vier Wochen verbessern will, kann das Programm direkt als Basis nutzen.

2. Klimmzughang und Rumpf

Zwei bis drei Krafteinheiten pro Woche: Klimmzüge und Hängen am Reck bis zum Muskelversagen, Push-ups, Kniebeugen, Plank-Varianten. Der Klimmzughang ist reine Übungssache — vier Wochen konsequentes Hängen bringen bei den meisten 15 bis 25 Sekunden mehr.

3. Marschieren mit Gepäck üben

Einmal pro Woche 60 bis 90 Minuten mit 10 bis 15 Kilogramm im Rucksack, in den Schuhen, die du auch tragen wirst. Stiefel vorher einlaufen. Fußpflege, Blasenpflaster und passende Socken sind kein Detail, sondern der häufigste Grund für Ausfälle in den ersten zwei Wochen.

4. Kopf vorbereiten

Grundausbildung ist Fremdbestimmung. Kein Handy, wann du willst, kein Schlaf, wann du willst, ständige Korrekturen. Wer das als persönlichen Angriff liest, hat drei harte Monate. Wer es als System begreift, kommt durch. Auch die Dienstgradstruktur vorher zu kennen hilft — dafür gibt es unseren Guide zu den Bundeswehr-Dienstgraden.

Die fünf häufigsten Fehler

  1. Neue Stiefel am ersten Marschtag. Blasen sind der schnellste Weg zum Sanitätsbereich.
  2. Nur Kraft trainiert. Ohne Laufgrundlage bricht die Leistung in Woche drei ein.
  3. Schlaf verschenkt. Wer die letzte halbe Stunde am Handy statt im Bett verbringt, zahlt es am nächsten Tag.
  4. Materialpflege ignoriert. Waffenreinigung und Ausrüstungspflege sind Bewertungskriterien, keine Beschäftigungstherapie.
  5. Alleingang. Bewertet wird die Gruppe. Wer nur an sich denkt, fällt auf — negativ.

Und danach?

Nach der Grundausbildung folgt die Fortgeschrittenen-Ausbildung oder die Versetzung in die Folgeverwendung. Wer schon weiß, dass es später in Richtung Spezialisierte Kräfte gehen soll, sollte den Sportstandard nicht erst danach aufbauen. Was dort erwartet wird, steht in der Übersicht zum Auswahlverfahren beim Jägerbataillon.

Häufige Fragen zur Grundausbildung

Wie lange dauert die Grundausbildung bei der Bundeswehr?

Die Grundausbildung dauert rund drei Monate. Seit Mai 2026 ist sie als Heimatschutzausbildung mit etwa 500 Ausbildungsstunden strukturiert. Wer im Heimatschutz weitermacht, absolviert danach eine Fortgeschrittenen-Ausbildung mit rund 200 weiteren Stunden.

Was passiert in der ersten Woche der Grundausbildung?

Die erste Woche ist Einschleusung: Einkleidung, Formalitäten, Unterricht durch Kompaniechef und Kompaniefeldwebel, erste Sportstunden und in vielen Durchgängen der Eingangs-Basis-Fitness-Test (BFT).

Welche Sportanforderungen gelten in der Grundausbildung?

Maßstab ist der Basis-Fitness-Test mit 11x10-Meter-Sprinttest, Klimmzughang und 1.000-Meter-Lauf. Er wird zu Beginn als Eingangstest und später erneut abgenommen. Zusätzlich wird laufend Grundlagenausdauer, Kraftausdauer und Marschieren mit Gepäck trainiert.

Wie bereite ich mich am besten auf die Grundausbildung vor?

Sechs bis acht Wochen vorher Grundlagenausdauer aufbauen (3x pro Woche laufen), Klimmzughang und Rumpfstabilität trainieren und Marschieren mit 10 bis 15 Kilogramm Gepäck üben. Fußpflege und eingelaufene Stiefel sind genauso wichtig wie die Kondition.

Heißt die Grundausbildung jetzt Heimatschutzausbildung?

Ja. Seit Mai 2026 ist der erste Ausbildungsabschnitt als Heimatschutzausbildung ausgerichtet. Der Begriff Grundausbildung wird umgangssprachlich weiter verwendet, die Inhalte sind stärker auf Heimatschutzaufgaben zugeschnitten.

Quellen

  • Bundeswehr: Heimatschutzausbildung — Dauer, Ausbildungsstunden und Lernfelder (bundeswehr.de/de/menschen-karrieren/grundausbildung-bundeswehr).
  • Bundeswehr: Ziel der Heimatschutzausbildung, veröffentlicht 04.08.2026.
  • Bundeswehr: Ablauf der Grundausbildung — schematische Darstellung der Ausbildungsabschnitte (PDF, bundeswehr.de).
  • Bundeswehr: Der Basis-Fitness-Test (BFT) — Disziplinen und Anforderungen (bundeswehr.de/de/selbstverstaendnis/sport-in-der-bundeswehr).
  • Bundeswehr: Anpassung der Grundausbildung mit Blick auf den Neuen Wehrdienst, Meldung vom 17.07.2025.

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