
Das große Interview: Wie zwei Soldaten im Niger-Einsatz NXTGEN Athlete gründeten
23. April 2025 · Erschienen auf Militär Aktuell
Samuel Come und Denis Pfeifer sind Gründer und Geschäftsführer von NXTGEN Athlete GmbH. Ihr Ziel: Die Einsatzfähigkeit uniformierter Kräfte erhöhen — egal ob jemand seine Leistung im Dienst verbessern oder ein Auswahlverfahren für spezialisierte Kräfte bestehen will. Im großen Interview mit Militär Aktuell sprechen die beiden über ihren Werdegang, die Gründungsgeschichte und was sie antreibt.
Welchen militärischen Hintergrund bringt ihr mit?
Denis: Sam und ich kommen aus dem gleichen Dorf im Schwarzwald. In der Grundausbildung zum Fallschirmjägerregiment haben wir uns wiedergetroffen. Schon nach sechs Monaten hatten wir das Auswahlverfahren Spezialisierte Kräfte durchlaufen. Das führte zu acht Jahren Dienst in den Spezialisierten Kräften des Heeres — Sam entschied sich für die schweren Waffen, ich wurde Scharfschützentruppführer.
Wie kam es zur Entscheidung, sich der Spezialausbildung zu stellen?
Denis: Das war schon in der Grundausbildung unser Frame, wir hatten nichts anderes gekannt. Wir haben beide familienseitig keinen militärischen Hintergrund und sind da komplett blind in die Ausbildung hinein. Es gab keinen Plan B — nur ein Ziel: die Erweiterte Grundbefähigung EGB.
Die Gründungsgeschichte: ein Probealarm in Niger
Sam: Denis und ich waren in Niger im Einsatz. Bei einem Probealarm merkten wir, dass es im Ernstfall schlecht für viele ausgegangen wäre — besonders für die übergewichtigen Soldaten einer anderen Truppengattung, die ebenfalls im Einsatz waren. Wäre es hart auf hart gekommen, hätte es uns alle getroffen. Wir sind aufeinander angewiesen.
Das zeigte uns: Diese Kameraden werden in ihren Truppengattungen nicht so hart rangenommen wie wir. Im Ernstfall kann die eigene Fitness über Leben und Tod entscheiden. Das war das Schlüsselereignis. In diesem Einsatz gründeten wir NXTGEN Athlete GmbH.
Was macht NXTGEN Athlete aus?
Sam: Es geht um Strukturen und Strategien. Militär und Polizei können den einzelnen Charakter nicht individuell abholen — die Strukturen lassen es schlicht nicht zu, dass ein Personal Trainer zur Seite gestellt wird. Genau hier setzen wir an. Wir begleiten Personen individuell, mit einer Trainingsplanung, die wöchentlich auf Dienst und Verwendung angepasst wird.
Am Anfang holen wir die taktischen Athleten bei ihrem Leistungsstand ab. Wir schauen uns die Verletzungshistorie zusammen mit Arzt und Physiotherapeut an. In der Kombination aus Live-Calls, Trainings-App, Vor-Ort-Events und digitalem Ausbildungszentrum begleiten wir die Anwärter von A nach B. Für nahezu jede Spezialeinheit im gesamten DACH-Raum stellen wir Mentoren bereit, die ihren Erfahrungsschatz direkt weitergeben.
Was braucht es, um ein Auswahlverfahren zu bestehen?
Sam: Drei Punkte. Erstens: Dir der Herausforderung bewusst sein — Familie, Hausbau, dienstliche Verwendung, Verletzungen, interner Papierkram. Das muss man alles einplanen. Zweitens: Das Wissen, um diese Aufgaben zu bewältigen. Dabei helfen unsere Mentoren. Drittens: Externe Motivatoren, die schauen, ob du auch auf der Zielgeraden bleibst.
Denis: Die Ziele müssen realistisch gesetzt werden. Sich in nur wenigen Monaten auf ein Auswahlverfahren vorzubereiten ist unrealistisch. Wir erziehen die Teilnehmer zu taktischen Athleten — damit sie langfristig etwas davon haben und auch spätere Ausbildungen bestmöglich meistern.
Ernährung und mentale Stärke
Sam: Ernährung ist ein massiv unterschätztes Gebiet. In den ersten zwei Wochen führen wir ein Ernährungsprotokoll, das wir nach Mikro- und Makronährstoffen auswerten. Es geht nicht um eine radikale Umstellung, sondern um eine Mentalität und Aufmerksamkeit für das Thema — eine nachhaltige Struktur, die die Athleten über Jahre begleitet.
Denis: Beim Thema Mentales wollen wir den Menschen hinter dem Athleten kennenlernen. Welche Baustellen gibt es, welche sozialen Komponenten spielen eine Rolle? Das ist für wirklich individuelles Coaching unerlässlich. Wir haben dazu einen Performancepsychologen mit Abschluss von der Sporthochschule Köln im Team.
Pläne für die Zukunft
Denis: Unser großes Projekt ist ein Leistungszentrum für Einsatzkräfte im gesamten DACH-Raum — eine Anlaufstelle für sportliche Ausbildung, taktische Fitness, Verletzungsprävention und Rehabilitation. Mit einem Trainerstab aus Physiotherapeuten, Ärzten und Coaches aus verschiedenen Bereichen, ähnlich wie im Leistungssport.
Sam: Wir sehen das als gesellschaftliche Verantwortung. Wir wollen wieder eine starke Bundeswehr, eine funktionierende Polizei. Die Anforderungen an uns alle haben sich massiv verändert. Leistung soll wieder als etwas Positives gedacht werden — das bringt einem auch im Privatleben etwas.
Dieser Artikel erschien ursprünglich auf Militär Aktuell.



